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Kurs F: Weimar – Jena – Buchenwald. Ethisch-moralische Ambivalenzen deutscher „Erinnerungsorte“

Kursleiter: Dr. Justus H. Ulbricht (Dresden)
> Ablaufplan
 
Die Frage des Historikers, „wie es denn eigentlich gewesen“ sei, ruft zur objektiven Betrachtung der Vergangenheit auf. Dennoch beziehen wir intellektuell und moralisch immer Position im Blick auf Geschichte. Unsere Rückschau ist von Bedürfnissen und Erfahrungen der Gegenwart bestimmt – aber auch von Hoffnungen auf eine gelungene Zukunft.

Weimar, Jena und Buchenwald, Orte wie Chiffren deutscher und europäischer Geschichte, scheinen vielen Betrachtern (nicht zuletzt Touristen) auf den ersten Blick eindeutig: Weimar-Jena steht für Aufklärung, Humanität, Weltoffenheit und Toleranz – Buchenwald für das Gegenteil. Doch so einfach war und ist es nicht. Wer aber „aus Geschichte lernen möchte“ (Hans-Ulrich Wehler) oder gar aus „Katastrophen“ (Micha Brumlik) setzt auf eindeutige „Lehren aus der Geschichte“ – die sich selbst immer wieder als uneindeutig und moralisch höchst indifferent offenbart.

Der alte Scherz, dass Weimar „schillert“ stimmt auf der Ebene, die in diesem Kurs zum Thema gemacht wird. Im Gang vom 19. zum 20. Jahrhundert durch die Kulturgeschichte der drei benachbarten Orte werden die Entstehung nationalhistorisch wichtiger „Erinnerungsorte“ rekonstruiert und zugleich Konturen „deutscher Identität“ nachgezeichnet, die manchmal europäische Dimensionen besaß.

Letztlich fragen wir uns, ob man und wenn, was man für den Entwurf einer künftigen europäischen Identität aus den „Weimarer Geschichten“ lernen könnte und wie sich die objektive Suche nach Wahrhaftigkeit mit moralischen Positionen verbinden muss, um Geschichte angemessen zu verstehen. Ethik und Moral sind Geschwister historischen Erkennens – was bereits den „Klassikern“ klar war.